Die Schöne

Ich kann fliegen. Endlich kann ich wieder fliegen. Vor mir reißt das kleine C. den Arm lebensmüde in die Höhe und ich bilde mir ein, ihr Lachen hören zu können, während die Hufe unsere Pferde auf das Gras trommeln. Wir treiben die Mischlinge mit den für Europäer gewöhnungsbedürftigen Sätteln noch ein bisschen mehr an, bis…

Paradies

Mein Tagebuch ist aufgeschwemmt von dem Schweiß, der meinen Rücken herunterrinnt. Er perlt von meinen Schläfen über meine Wangen und tropft dann in den Sand. Ab und an erwischt er unterwegs mein Top, das aber schon so nass ist, dass es keinen Unterschied mehr macht. Ich pelle mich aus der nassen Kleidung und lege das…

Auf der anderen Seite der Anden

Ich weiß nicht genau, wie und wo ich die Tage in Chile einordnen soll oder wo ich anfangen kann zu erzählen. Am Anfang vielleicht. Dem Flug von Ezeiza nach Santiago, auf dem so viele schreiende Kinder waren, dass ich weder lesen, noch Musik hören konnte. Vielleicht bei meinem Rückflug nach Buenos Aires, vor dem ich…

Illegale Einwanderer

Und plötzlich sind wir illegal in Argentinien. K. und ich stehen vor den Grenzbeamten in Posadas und sehen ein wenig hilflos dabei zu, wie die Grenzbeamten wieder und wieder durch unsere Pässe blättern. Auch unsere Visa helfen uns wenig. Es fehlt der Ausreisestempel aus Paraguay. Draußen hängen bedrohliche Wolken über dem schäbigen Häuschen am Fluss,…

Der deutsche Turm

Wir arbeiten in einem Gebäude, das mitten im Zentrum von Buenos Aires die deutsche Kultur vertritt und verbreitet. Der Torre Alemán, der deutsche Turm, wurde Anfang der 70er vom Club Alemán gegründet, dem deutschen Club. Der residiert jetzt im 21. Stock. Über der Garage sitzt das Goethe-Institut, direkt an der Straße die deutschsprachige Bibliothek, es…

Tierisches Vergnügen

Die Pinguine verpasse ich auch mit T., obwohl sie extra aus Deutschland angereist ist. Puerto Madryn war uns zu teuer und in Iguazú begegnet uns vieles, aber kein Pinguin. Dafür stehe ich nachts um vier auf Zehenspitzen vor der offenen Badezimmertür, die sich in das Waschbecken verkeilt hat und überlege, ob ich wirklich so dringend…

Mitbewohner…

Ich kenne Ratten eigentlich nur als Haustiere. Klug, gepflegt, weiches Fell. Die, die mein Mitbewohner J. und ich jetzt in meinem Zimmer suchen, ist Freiwild sozusagen. Sie hat trotzdem große Augen, weswegen ich darauf bestanden habe, sie zu fangen. „Wir müssen sie töten“, hatte J. gesagt und den Besen aus dem Schrank geholt. Ich hatte…

Auf Spurensuche

Ich frage mich manchmal, wie Buenos Aires wohl früher war. Vor der Diktatur, als die Schlösser der schweren Eingangstüren wirklich noch Hightech waren und die gekachelten Fassaden der 60er-Jahre-Bauten tatsächlich schick. Als die Inflation noch nicht alles aufgefressen hatte. Als hinter den verlassenen und zugerammelten Prachtbauten noch Leben herrschte und nicht die Leere gähnte, wie…

Mit Bananen beim Asado

Sonntags ist in Argentinien Asado-Tag. Den ganzen Tag lang grillt der Durchschnitts-Argentinier sein Fleisch, isst halbe Kühe und zahlreiche Chorizos in großer Runde. Wir sind keine Argentinier, aber einen Sonntag und einen Grill haben wir trotzdem. Und inzwischen habe ich das Gefühl, lange genug in Argentinien zu sein, um auch als Vegetarierin endlich ein Asado…

Al Sur

Am Ende der Welt gibt es Fußbodenheizung, aber keinen Schnee. Rings um das Städtchen mit dem klangvollen Namen „Tiefgründige Bucht“ oder „Bucht am Rand“ ragen Berge in den blauen Himmel. Dazwischen klares Wasser, Felsinseln, ein einsamer Leuchtturm. Wir sind in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Ich habe J. gleich an seinem ersten Tag am…

Café Margot

Ich bin gerade erst wieder in Buenos Aires gelandet und friere im frühen Frühling der Stadt der guten Lüfte dann doch ein wenig. Aber die Sonne scheint und es gibt zu viel, das aus dem fensterlosen Zimmer in die Straßen lockt. Eine weitere bar notable, zum Beispiel. In Boedo ist Buenos Aires noch so, wie…

El Gato Negro

Es riecht nach Kardamom und Zimt, der Lärm der Avenida Corrientes ist vergessen, als ich mich an einem der kleinen Tische niederlasse. In der ehemaligen Tee- und Gewürzhandlung, die seit 1997 auch Kaffee serviert und Medialunas oder Tostadas anbietet, ist nicht viel Platz für die neugierigen Gäste, die unter dem kleinen roten Vordach ins Lokal…