Llegada…

Ich schaue an L. vorbei auf die riesengroße Stadt, die sich unter uns ausbreitet. Sie glitzert mit dem Licht von 14 Millionen Einwohnern.

„Ab morgen sind wir ein Teil davon“, sage ich leise.

L. nickt.

buenos-aires-508790_960_720Wir sind die letzten, die das Flugzeug nach über 12 Stunden verlassen. Alle anderen haben Angst, nicht mehr rauszukommen, wenn sie nicht sofort ihr Gepäck aus den Overheadcompartements reißen und sich durch die schmalen Gänge des Flugzeugs drängeln. Wir gehen langsam. Lassen unsere Pässe kontrollieren, haben ein Visum, werden durchgewunken und haben die erste Schlange des Abends überstanden. Das Gepäck ist auch angekommen. Zahlreiche Asiaten versuchen in ihren übergroßen Koffern Hühnerfüße, Meeresfrüchte und Gewürze mitzuführen. Die Schlange am Zoll ist entsprechend lang und schleppt sich dahin. An uns hat niemand etwas auszusetzen, wir dürfen zur Schlange am Taxistand schleichen. Zu mehr sind wir nicht mehr in der Lage.

Wir sehen wenig von der Stadt, es ist dunkel und unsere Wahrnehmung nicht mehr sehr präzise. Süßigkeiten gibt es die ganze Nacht lang in verschiedenen Geschäften.

Unser Taxi-Fahrer mag uns nicht, er knallt das Gepäck vor die bunte Haustür und verschwindet schimpfend in die beleuchtete Nacht. Die Tür unserer neuen Bleibe, die eine Mischung aus Hostel und WG ist, wird aufgeschlossen. 15 Menschen aus aller Welt, ein Badezimmer. Keine Bettdecken oder Handtücher. Wir riechen nach Flugzeug und Reisemoder, aber wir sind zu müde, um uns darüber Gedanken zu machen. Oder darüber dass die Wohnung im Internet irgendwie schöner aussah. Das Duschen verschieben wir auf den Morgen. Schlafen kann man auch ohne Bettdecken.

Empfang in der Deutschen Botschaft. L. und ich dürfen uns anschließen, obwohl wir weder in Chile noch hier in Argentinien an eine PASCH-Schule gehen. Wir sehen bekannte Gesichter aus Deutschland wieder, tauschen uns aus, lernen den Botschafter und den Kulturreferenten kennen.

Es gibt Medialunas, Empanadas und Orangensaft.

Draußen scheint die Sonne.

Wie die Katze an der Sicherheitskontrolle der Botschaft räkeln wir uns alle in jeder Pause im Garten des Geländes, schließen die Augen und saugen die wohlige Wärme des Südens auf. Wir sprechen über Pläne, wollen einander besuchen, ich versuche, mich selbst für ein Theatercamp in Chile vorzuschlagen. Scheint zu klappen.

In der Stadt ist es warm, ein wenig dreckig, der City-Supermarkt hat wenig Auswahl, aber das nötigste finden wir, bezahlen mit Scheinen, auf denen Evita Perón gnädig lächelt.

Zum Nachdenken und Vermissen bleibt erstmal keine Zeit.

Ein lauer Spätsommerabend im März wartet auf uns.

 

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