Ida y Vuelta

am

In Buenos Aires scheint die Sonne. Mit den Rucksäcken auf dem Rücken klettern L. und ich aus dem Schiff und nehmen so viel Vitamin D auf, wie die Stadt erlaubt. Sofort ist es laut, die Ruhe Uruguays vergessen. Collectivos rasen an uns vorbei, die Taxifahrer hupen, nehmen einander die Vorfahrt, der ein oder andere Fußgänger entgeht nur knapp dem Tod durch Überfahren.

Ich lächle.

Endlich wieder Großstadtlärm.

Wir laden unsere Handys und die Sube-Karten für die U-Bahn auf und sind die ersten bei der Arbeit. Am Empfang wird noch ausgepackt, die Türen sind noch nicht offen. Wir trinken teuren Kaffee von Starbucks, weil man ihn sonst fast nirgendwo ohne Zucker bekommt. Da nehmen sich Argentinien und Uruguay nicht viel.

Zucker.

Zucker ist hier groß.

Auf der Avenida Corrientes hupt es, die Tiefgaragen schlagen bei jedem ausfahrenden Auto laut Alarm. Ich lächle, weil ich den Lärm der Stadt so sehr genieße. In Montevideo war es nicht nur wegen der Feiertage sehr ruhig. Das Großstadtherz in mir jauchzt auf bei jedem Hupen, jeder roten Ampel, jedem fluchenden Banker. Überall sind wieder die Frauen in Plateauschuhe. Schuhe, die nicht besonders schön sind und auf denen niemand vernünftig laufen kann, weil es anatomisch einfach nicht möglich ist. Vielleicht bewegen sich die Argentinier deshalb so langsam. Hektik hier ist wie ein Sonntagsspaziergang durch Köpenick. Aber sie stehen gerne in Schlangen. Überall. Am Bankautomaten und an der Bushaltestelle, beim Metzger, im Supermarkt. Ordentliche Schlangen, in denen sich niemand vordrängelt. Was auch nichts bringen würde. Die Kassierer lassen sich Zeit. Zeigen Bilder von der Familie. Erklären alles gerne drei Mal. Kennen die richtige Nummer des Brötchens nicht. Haben kein passendes Kleingeld. Aber sie lachen darüber.

Großstadtstress.

Mit einem Lächeln.

Die Sandwichs, die F. am Hafen noch in einer südamerikanischen Variante von Schwarzbrot bekam gibt es hier an jeder Ecke in weiß. Labbriges Weißbrot ohne Rand, Schinken, Weißbrot, Käse, Weißbrot. Neben Empanadas sind diese Sandwichs beim Catering beliebt. Dazu Kaffee, der schon gezuckert ist. Morgens vielleicht noch ein paar gezuckerte Medialunas. Mittags Pizza. Salat nur mit Pollo. Auf der Straße aber isst man kaum. Para llevar ist zum Mitnehmen gedacht.

Den ganzen Tag lang sind überall Menschen. Im Microcentro demonstrieren diese Menschen gerne und viel, weswegen dann in der ganzen Stadt kein einziges Taxi zu bekommen ist. Die Collectivos haben keine Fahrpläne. Sie rasen einfach durch die Gegend. Manchmal halten sie, wenn man an der Haltestelle winkt.

Die Subte hat WiFi.

Ich denke an all das, während L. und ich in unsere jetzt offenen Büros verschwinden und uns für den Mittag zur Pause verabreden. Ich schlürfe meinen Kaffee, fahre den PC hoch und lächle weiter vor mich hin.

Buenos Aires ist anders. Wie Berlin. Fast.

Zuhause.

Fast.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s