A little bit of childhood magic in Buenos Aires

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Manchmal träume ich mich durch den Weg zur Arbeit. Zwischen all den berüchtigten Kolonialbauten des Microcentros lasse ich meine Gedanken zwischen Fiktion und Realität springen, vermenge Kindheit und Gegenwart.

Im Microcentro fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Eine Welt, die mich an Zauberer und Hexen und Gold und Abenteuer erinnert.

Die Banken sind noch geschlossen, in Argentinien beginnt auch der Banker-Alltag später. Wenn er überhaupt beginnt und nicht von einem Streik verhindert wird. Die alteingesessenen Banken des Landes sitzen in schweren, breiten Gebäuden. An jeder Straßenecke ragen massive Tore aus Bronzelegierungen zwischen den Mauern auf und ich warte auf einen Kobold, der sie mit einem Kratzen seiner langen Fingernägel schmelzen lässt.

Niemand trägt Umhänge, aber ich bin mir sicher, dass man auch hinter dem Pub in London sehr interessiert an den seltsamen Plateauschuhen wäre, die hier Mode sind.

Hinter der Avenida Corrientes geht ein bisschen der absurden Magie weiter. Zauberer preisen Cambio und Parillas an. Dem ahnungslosen Zaubererschüler, der seine ersten Einkäufe ohne Halbriesen erledigen muss, bleibt es zu raten, was das wohl ist und ob es legal ist. Ein wenig muss sich mein Kopf anstrengen, um all die Wunder einer magischen Gasse in das Microcentro zu zwängen. Die Wunderbuchhandlung liegt einige Cuadras entfernt in der Avenida Santa Fe. Das Ateneo Grand Splendid wurde nicht 1654 gegründet. Aber ich bin mir sicher, dass einige Lehrer und Reporterinnen hier gerne mit flotten oder langsamen Federn hinter dem Signiertisch sitzen würden.

Nachts, nach dem Spanischunterricht tauchen die schmiedeeisernen Straßenlaternen das jetzt stille Zentrum in ein warmes, zauberhaftes Licht, das man mithilfe eines Deluminators gerne einpacken und für den Nachttisch mitnehmen würde.

Natürlich funktioniert das mit dem Besen hier auch nicht besser als in Deutschland. Bisher ließ sich auch keine Eule finden, die Post in die Heimat liefert.

Aber alte Freunde wiederzusehen, ist fast wie nach Hause kommen. Und manchmal sind es diese Freunde, die wir auf den abenteuerlichen Seiten unserer Kindheit kennengelernt haben, die einem in der Fremde begegnen. Eben wie der Junge mit der Blitznarbe, der mir heute auf der Buchmesse schließlich selbst gegenüberstand. H. sah konzentriert aus. Er runzelte die Stirn, blickte entschlossen in die Ferne, bewegte sich keinen Millimeter, während hinter ihm ein roter Zug durch liebevolle Illustrationen raste. Ich blieb stehen und sah ihn lächelnd an. Manche Freundschaften enden nie. Und wenn man alleine durch die Fremde wandert und nachdenklich wird, dann steht da plötzlich dieser eine besondere Freund und lässt uns lächeln, wenn wir durch seine Seiten blättern und die gleichen Abenteuer wieder und wieder erleben.20160501_143918

Mit ein bisschen Magie und etwas Fantasie kann man wohl immer und überall zu Hause sein.

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