Mala suerte, besos y conversaciones

am

M. und ich kennen uns vom See bei Berlin. 10 Tage lang teilten wir das kleine Zimmer, in dem die Fenster nicht richtig schlossen und die Heizungen den ganzen Tag auf höchster Stufe liefen. Zum Thema Nachhaltigkeit und Energiesparen hätte man uns wahrscheinlich nicht besser auf unsere Zeit in Argentinien vorbereiten können.

Hier in Buenos Aires leben wir in verschiedenen Welten. Ich arbeite im Büro im Microcentro, gleich neben all den großen Banken und amerikanischen Fast Food Ketten. M. fährt jeden Tag in die Vorstadt und hilft an einer Schule beim Deutschunterricht. Straßenhunde, kaputte Pflastersteine, Dreck und aufdringliche Männer. Ähnlich wie meine Joggingstrecke in meinem Viertel am südlichen Rand von Buenos Aires. Aber eben ganz anders als bei der Arbeit.

Während die Schüler an unserem Institut viel Geld investieren, um Deutsch lernen zu dürfen, haben M.s Schüler oft keine Lust, auch noch beim Mittagessen mit der Freiwilligen aus Deutschland auf Deutsch sprechen zu müssen. Lieber schimpfen sie. Oder schweigen.

Wenn wir uns treffen, sprechen wir wenig über die Arbeit.

Wir reden von der Stadt. Von Zukunftsplänen und gutem, gesunden Essen. Wir sprechen über Yoga und Sport, Selbstwahrnehmung und das schlechte Wetter.

Meistens aber haben wir bei unseren Treffen wenig Glück mit den Orten.

Busse fahren nicht und Restaurants haben geschlossen.

„Hier gibt es nur Mittagessen“, sagte M. nach dem obligatorischen Küsschen auf die rechte Wange. Ich war gerade in das vegane Café am Plaza de Mayo gekommen, in dem wir uns zum Abendessen verabredet hatten. Während uns noch ein letzter Tee serviert wurde, konsultierten wir unsere Handys und das in Buenos Aires ständig verfügbare W-Lan, um nach einer Alternative zu suchen.

„Sushi“, schlug ich vor. „In Laufnähe.“

Wir fanden ein neues Restaurant in San Telmo, das Sushi und peruanische Küche verbindet und spazierten an Mafalda vorbei durch das alte Viertel der Stadt, wo Sonntags die feria de San Telmo herrscht und früher die Sklaven leben mussten.

Im Juni hatten wir eigentlich vor, syrisch essen zu gehen.

„Sieht zu aus“, stellte M. fest, als sie mich an der Straßenecke in Recoleta traf. Küsschen auf die rechte Wange, ein Blick auf die verschlossenen Türen.

„Vielleicht ist der Eingang auf der anderen Seite?“

Auch die andere Seite war abgesperrt, es wurde dann eine vegane, glutenfreie Pizza vom Lieferdienst um die Ecke.

Also doch lieber Sushi.

Aber als ich vor ein paar Wochen als erste an dem Restaurant nahe der Avenida Independencia ankam und mich an die Hauswand drückte, um möglichst wenig Regen abzubekommen, gab es auch hier kein Licht. Dafür geschlossene Rollläden und eine leere Seitenstraße. Der Hunger, der Wind und der peitschende Regen trieben uns in das nächste offene Restaurant und bescherten uns Bauchschmerzen und schlechten Service.

Aber auch interessante Gespräche.

Und ein Versprechen.

„Das nächste Mal reservieren wir!“, sagte M. Dann stieg sie in ihren Bus. Zum Abschied gab es nur einen Luftkuss.

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